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Montezuma

Letzte Woche war es nachts meistens ziemlich kalt. Dick eingepackt in 2 Decken hab ich mir aber trotzdem eine leichte Erkaeltung geholt. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich im Herbarium arbeite, wo es ziemlich kuehl ist, und dann immer raus in die Hitze gehe. Naja, Susi ging es jedenfalls aehnlich. Deswegen wollten wir mal wieder nach Guanacaste an einen Strand fahren. Nach langem Hin und Her (die Auswahl ist so gross =)) entschlossen wir uns fuer Montezuma und dann wars auch schon Freitag.

Um halb 1 Uhr trafen wir uns auf der Avenida Central: Susi, Sabrina, Tiffany, Carsten, ich und ein neuer aelterer Schweizer, der jetzt in Stefans alter Gastfamilie wohnt. Dann fuhren wir im Bus nach Puntarenas, wo wir die Faehre nach Tambor (Halbinsel Nicoya) nahmen. Die Ueberfahrt war total schoen. Erstmal kam total Urlaubsfeeling auf, weil die Faehre wie z.B. aufm Aermelkanal oder im Mittelmeer war. Und dann ging mal wieder die Sonne unter. Alles sah so friedlich aus! Einfach schoen. In Tambor dann war der billigen Linienbus proppevoll, so dass wir mit dem Touri-Bus fahren mussten. Die Fahrt war zwar angenehmer mit Klimaanlage, dafuer aber ziemlich teuer.
Irgendwann kamen wir dann endlich in Montezuma, einem kleinen verschlafenem Nestchen mit Karinik-Flair, an. Schnell fanden wir eine billige Unterkunft, die direkt am Strand war. Dann gingen wir essen und bisschen was zum Trinken einkaufen, was wir dann spaeter am Strand tranken. Dort sassen wir noch eine ganze Weile unter einem gewaltigen Sternenhimmel (man sah sogar ganz deutlich die Milchstrasse!) und lauschten den Wellen.

Am Samstag machten wir uns dann gleich nach dem Fruehstueck auf zur Playa Grande. Das ist ein langer Sandstrand noerdlich von Montezuma. Um dahin zugelangen, kletterten wir ueber Felsen, liefen kleine Buchten entlang und wateten durch kleine Fluesse mit buntem Flussbett. Als wir nach einer Weile ankamen waren wir so ziemlich die einzigen dort und hatten die gesamt Bucht fuer uns. So machten wir uns auf einem grossen Baumstamm gemuetlich und huepften ins kuehle Nass. Diesmal hab ich mich soviel eingeschmiert, dass ich so gut wie keinen Sonnbrand bekommen hab, sondern voll braun geworden bin. =) Spaeter liefen wir wieder zurueck - die anderen hatten Hunger. Susi und ich bliebe aber noch in einer kleinen Bucht und quatschten ein bisschen. Abends dann hatte ich furchtbar Kopfweh und Sabrina eine Magenverstimmung, so dass der Abend nicht ganz so schoen war wie der zuvor. Mir ging es nach einem kuehlem Nackenwickel und bisschen Ruhe wieder ziemlich gut, so dass ich abends noch mit einem Argentinier ins Gespraech kam, der zusammen mit Freunden eine Backpacking-Tour durch Sued-/Lateinamerika macht. Sabrina lag leider schlapp im Bett, Susi und Tif waren dagegen am Abdancen.

Nachdem Sabrina recht viel geschlafen hatte, gings ihr am naechsten Morgen zum Glueck wieder recht gut. Da sie aber noch bisschen schlapp war, blieb sie am Strand, waehrend der Rest zu Wasserfaellen in der Naehe wanderte. Zunaechst war es nur Wasser, dass ueber kleinere Steine und Felsbrocken floss. Ein aelterer Amerikaner meinten dann aber, wir sollten noch weiterlaufen, man muss ein bisschen klettern, aber dann kommt man zu einer Reihe von 3 Wasserfaellen. Da er eh auf dem Weg dahin war, liefen/kletterten wir ihm ueber Steine, Wurzeln, Felswaende hinterher. War ziemlich anstrengend und man musste wirklich achten, wo man hintrat, weil es teilweise sehr steil hoch bzw. runter ging. Aber der muehsame Weg lohnt sich! Der oberste Wasserfall war ungefaehr 3m hoch, der mittlere 10m und der unterste bestimmt 25m. Dazwischen gab es immer tiefe Becken, in denen man wunderbar schwimmen konnte oder hineinspringen konnte =). Aus 3m Hoehe machts schon mega Fun, aber die 10m waren echt krass. Nach kurzem Zoegern sprang ich dann doch. Unglaubliches Gefuehl, ich dachte ich fliege ewig! Als Beweis gibts sogar ein Video! Leider verging die Zeit mal wieder viel zu schnell, so dass wir uns bald schon wieder aufmachen mussten, damit wir den Bus zum nach Hause fahren erwischen.
An den Wasserfaellen lernten wir Michi (22 aus Muenchen) kennen, mit dem wir dann zusammen zurueckliefen und auch ein Stueck im Bus fuhren. Es fuhr von Cobano aus dann nach Santa Theresa zum Surfen. Wir fuhren weiter zur Faehre und ueberquerten nochmal den Golf von Nicoya waehrend die Sonne unterging.
In Puntarenas liessen wir uns von einem Ticos anschwatzen, der uns anbot uns nach San Jose fuer 5 $ zu fahren. Nach unseren schlechten Erfahrungen aus Panama, zweifelte ich sehr an seiner Serioesitaet und hatte ein ziemlich ungute Gefuehl. Aber gegen 5 Leute hat man doch keine Chance und so liessen wir uns von ihm nach San Jose fahren. Es bot uns sogar an jeden nach Hause zu fahren. Als wir dann bei Martin ankamen, stiegen Martin und ich aus und wolltem ihm die 10 $ geben. Doch der Tico meinte ploetzlich 50 $ pro Person! Wir diskutierte lange mit ihm rum, holten Martins Gasteltern sogar zu Hilfe, doch der Tico war so knallhart und beharrte auf seine 50 $. So sind wir schliesslich zur Polizei und man kann sich gar nicht vorstellen, wie anderst die Polizei hier eingreift. Sie meinten, nachdem wir wieder eine ganze Weile diskutiert hatten, entweder wir finden einen Kompromiss oder wir duerfen zum Richter eine Nacht da bleiben und dann gibts einen Prozess und das zieht sich auf jeden Fall hin usw usf. Es war regelrecht Erpressung. D.h. wir mussten praktisch auf einen Kompromiss eingehen. Und der Tico verlangt als Kompromiss 40 $ von jedem!! Er war so dreist und knallkart, das wir schliesslich einwilligen mussten und Carsten ihm zu Hause schliesslich das Geld fuer uns alle gab. Denn wir hatten nicht mal soviel Geld dabei. Aber 40 $ sind ein ganz schoener Happen, das waer nochmal ein super Strandwochenende zum Beispiel. Es war einfach nur unfair und der Tico lachte dabei noch ganz haemisch und war einfach nur verlogen. Er hat mit uns jetzt 240 $ verdient, wofuer er vielleicht grad mal 15 $ Kosten hatte wegen Benzin. Und die Polizei hat ihm mehr geglaubt, weil wir ja Touristen sind oder weiss Gott warum. Unvorstellbar!
Er schwoerte auf Susis Nachfragen sogar auf Gott, dass er die Wahrheit sagt. Einfach unglaublich! Die Ticos sind doch alle so glaeubig und meine Gastmutter schuettelte nur den Kopf! Ich frag mich echt, wie ein Mensch so dreist sein kann. Das ist doch schon unmenschlich, so wie der sich verhalten hat! Und dann hat er auch noch immer so komisch gelacht. Wir waren alle so wuetend, Sabrina weinte sogar, aber wir waren einfach machtlos. Ich hab mich in meinem ganzen Leben noch nie so hilflos gefuehlt, wie in der Polizeiwache! Es war einfach zu krass.

So hatte unser Wochenende einen sehr bitteren Nachgeschmack. Und es hat uns auch mal wieder vor Augen gefuehrt, dass wir in Costa Rica in Lateinamerika sind und nicht in Europa. Einerseits traumhafte Straende, andererseits Gauner und Ungerechtigkeit, wohin man schaut!

13.2.07 01:12

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